Cavallo ist klein, teuer und berühmt dafür, dass man dort eigentlich nicht einfach so hinkommt. Nur rund drei Kilometer vor der Südspitze Korsikas liegt die Insel, die französische Medien die „Insel der Milliardäre“ nennen. Seit Ende der 1960er-Jahre verbringen dort Stars, Industrielle und Mitglieder europäischer Adelsfamilien ihre Sommer. Jetzt soll sich das ändern: Die Gemeinde Bonifacio hat den Hafen der Insel übernommen und will den Zugang zu den Stränden für alle erleichtern.
Warum Cavallo bisher fast verschlossen war
Wer Cavallo besuchen wollte, brauchte bisher meist eine Einladung oder eine teure Reservierung in einem Hotel oder Restaurant. Zwar konnte man mit dem eigenen Boot an öffentlichen Stränden anlegen. Doch viele Wege zu den schönsten Buchten führen über private Grundstücke – und dort wurden Besucher ohne Erlaubnis von Sicherheitsleuten zurückgewiesen.
Dabei ist die Rechtslage in Frankreich eigentlich eindeutig: Der Zugang zu Stränden zu Fuß ist grundsätzlich frei. Einschränkungen sind nur aus bestimmten Gründen vorgesehen, etwa aus Sicherheitsgründen, für die Landesverteidigung oder zum Schutz der Umwelt. Auf Cavallo lag die Hürde hinter dem Sand: Ohne gesicherte öffentliche Wege nützt das Recht auf den Strand wenig, wenn man gar nicht dorthin kommt.
Die Gemeinde Bonifacio arbeitet deshalb schon länger daran, öffentliche Fußwege zu den Stränden zu sichern. Bereits 2023 beschloss der Gemeinderat eine entsprechende Klassifizierung von Wegen. Gelöst ist das Problem aber noch nicht: Bürgermeister Jean-Charles Orsucci sagte im Juni, die Gespräche mit den Eigentümerinnen und Eigentümern über die nötigen Zugänge seien bislang nicht erfolgreich gewesen.
Der Hafen als Schlüssel zur Öffnung
Der wichtigste Hebel ist der Hafen. Er ist der zentrale Ankunftsort der Insel – und damit der Punkt, an dem die Gemeinde tatsächlich etwas bewegen kann. Nach Auffassung der Gemeinde endete die 35-jährige private Konzession am 25. Juni 2026. Tags darauf übernahm Bonifacio die Verwaltung des Hafens selbst.
Die bisherige Betreiberin, die Société du Port de Cavallo, sieht das anders. Sie bestreitet, dass ihre Konzession bereits ausgelaufen ist, und argumentiert, sie laufe mindestens bis Ende Mai 2028. Über die Rechtmäßigkeit und die Folgen der Übernahme gibt es also weiterhin Auseinandersetzungen.
Fest steht: Mit dem Hafen in kommunaler Hand hat Bonifacio einen entscheidenden Hebel, um die Insel stärker zu öffnen. Nach Sicherheitsarbeiten öffnete der Hafen im Sommer teilweise wieder. Seit dem 1. Oktober ist er saisonal geschlossen. Laut Gemeinderatsbeschluss soll er am 1. Mai 2027 wieder öffnen.
Was sich für Besucher konkret ändern soll
Bürgermeister Orsucci will die Strände zugänglich machen – und zugleich die Besucherströme begrenzen. Eine kommunale Shuttle-Linie ist vorerst nicht geplant. Private Grundstücke bleiben privat. Es geht also nicht darum, die Insel in einen Massentourismus-Ort zu verwandeln, sondern darum, dass normale Besucher die Natur der Insel erkunden können, ohne auf eine Einladung angewiesen zu sein.
Cavallo selbst ist nur rund 110 Hektar groß und Teil des Lavezzi-Archipels. Sie ist die einzige bewohnte Insel des Archipels und liegt auf halbem Weg zwischen Korsika und Sardinien. Ihr Hafen bietet Platz für 200 Boote mit einer Länge von bis zu 35 Metern. Wer heute schon hin will, kommt am einfachsten mit dem Taxi-Boot ab dem Strand von Piantarella oder mit dem eigenen Boot.
Eine vollständige Öffnung ist allerdings noch nicht beschlossen. Zwischen der Gemeinde und den privaten Eigentümern bestehen weiterhin Konflikte über die Nutzung bestimmter Wege und die künftige Entwicklung der Insel. Wer Cavallo im Sommer 2027 besuchen will, sollte sich also vorher informieren, welche Wege dann tatsächlich offen sind.
Zum Vergleich: Auch an der deutschen Nordseeküste ringen Inseln mit den Folgen von Sturm und Erosion – auf Norderney hat die Sturmflut die Weiße Düne stark zurückgedrängt. Auf Cavallo ist das Problem ein anderes: nicht das Meer, sondern der Zugang.
Häufige Fragen zu Cavallo
Kann man Cavallo schon heute besuchen?
Ja, aber nur eingeschränkt. Mit dem eigenen Boot oder dem Taxi-Boot ab Piantarella kommt man auf die Insel. Viele Wege zu den Buchten führen jedoch über private Grundstücke und sind nicht frei zugänglich. Der Hafen ist seit dem 1. Oktober saisonal geschlossen und soll am 1. Mai 2027 wieder öffnen.
Warum heißt Cavallo „Insel der Milliardäre“?
Weil dort seit Ende der 1960er-Jahre Stars, Industrielle und Adelsfamilien ihre Sommer verbringen. Die Insel ist klein, abgeschieden und teuer – ein Rückzugsort für Menschen, die viel Wert auf Privatsphäre legen.
Werden die Strände jetzt wirklich für alle geöffnet?
Das ist das Ziel der Gemeinde Bonifacio, aber noch nicht vollständig umgesetzt. Die Wege-Frage ist weiterhin umstritten, und die frühere Hafenbetreiberin bestreitet, dass ihre Konzession schon ausgelaufen ist. Die Öffnung ist also ein Prozess, kein fertiger Zustand.



